Warum eigentlich ich? / Teil I

Ein ganz normaler Mittag in der Mensa: Tür aufstoßen, lässig zurückschwingen lassen, eines der Tabletts in Zahnspangen-Dosen-Couleur ergreifen und in den Modus „Nahrungssuche“ umschalten – heißt: hektische Augenbewegungen, Anrempeln, Schubsen, die Hälfte der Sachen auf den Boden fallen lassen, während man in Jacke und Tasche nach seiner praktischen Mensa-Card fischt. Heißt auch: Sich an der Kasse anstellen, um sein mittlerweile lauwarmes Essen durch den Akt des Mensa-Card-Auflegens absegnen zu lassen. So wahr mir das Studentenwerk helfe.

 

Aber heute esse ich nicht alleine, alleine essen ist eh doof, also gilt es, sich zu Großfressgruppen zusammenzuraufen und zusammen zu kauen. Mein Teller: Reis, Tomatensoßezeugs, Hühnchenbrustfilet. Einer meiner Essensgenossen steht neben mir in der Kassewarteschlange, schaut auf meinen Teller, stutzt und meint: „Ich dachte, du wärst Vegetarierin!“ Und ungelogen – diesen Satz habe ich schon dutzende Male gehört. Und ich weiß nicht warum. Denn ich bin – siehe mein Teller – keine.

Ich weiß nicht, welches Klischee ich bediene oder welche Dünste ich ausströme, aber vielen Menschen wollen an mir ablesen, was ich esse. Und Fleisch zählt anscheinend nicht dazu. Aber essen tu ich’s trotzdem. Also sage ich das, was ich seit geraumer Zeit immer zu sagen pflege: „Komisch, das sagen mir ganz viele!“ und signalisiere mit einem Achselzucken, dass ich gerade nicht in die ausgewählte Gehirn-Schublade passe.

 

Na ja. Vielleicht hat die Person beim nächsten Mal mehr Glück.

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