Vision | Vita

„Keinen verderben lassen, auch nicht sich selber,

jeden mit Glück erfüllen, auch sich. Das ist gut.”

Bertolt Brecht (1898-1956)

Phase 1: Poetry Slam

Schreiben und das Geschriebene auch archivieren – das mache ich seit ich 13 bin. Damit an die Öffentlichkeit gehen, folgte ein paar Jahre später. 2006 gab es an meinem damaligen Gymnasium einen Poetry-Slam-Workshop, der eine Teilnahme an den deutschsprachigen U20-Meisterschaften mit sich brachte. Da bin ich dann bis ins Berlin-Finale gekommen mit einem selbstironisch und philosophisch angehauchten, menschliche Beziehungen analysierenden Text namens “Mango-Tango  o d e r  Gespräch zweier Zahnstocher auf meinem Küchentisch”. Die Slam-Manie ging weiter, jeden Monat gibt es ja in Berlin mehrere Slams. Ach – was das eigentlich ist? Ein Dichterwettstreit. 5 Minuten maximal, eigener Text, keine Requisiten, Bewertung vom Publikum durch Klatschen oder Notentafeln – that’s it.  2007 ging es wieder in die deutschsprachigen Meisterschaften, diesmal bis ins Berliner Halbfinale. Der ständige Hype um die meisten Punkte und der Hang zur Unterhaltungsliteratur liessen mein Interesse für diese Szene bald sinken.

Phase 2: Lesebühne, die eigene

Über Ecken und Kanten traf ich vier andere junge Menschen und zusammen etablierten wir in Pankow die Lesebühne “Lauschgift” im Pankower Jugendclub ‘Kurt-Lade-Klub’. Da habe ich dann auch mal Lieder präsentiert. Und ich wollte Neues wagen, experimentell sein. Es kristallisierte sich in dieser Zeit immer mehr heraus, dass ich viele unterschiedliche Formate und Textgattungen mag und gerne benutze. Ein Allrounder? Nein, es blieb zunächst bei Schrift und Sprache – wenn auch manchmal in gesungener Form.

In so hochgradig heterogenen Gruppen kann es denn auch mal zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Konträre Vorstellungen von Selbstverständnis, Kunstbegriff und Ziele liessen mich irgendwann den Hut ziehen.

Phase 3: Spoken Word Performance

Seit Ende 2008 gibt es “Shut Up And Speak” (kurz: SUAS) – eine Bühne für Frauen und trans*idente Menschen, die ‘Spoken Word’ machen. Aber was ist das denn bitte schon wieder? Spoken Word zeichnet sich für mich vor allem dadurch aus, dass es persönlicher, direkter und oft performativer ist. Dieses energiegeladene, mutige Format sprach mich sofort an. Denkbar einfaches Mittel, aber enorm in der Konsequenz: Viele können den Text auswendig. Da hat man noch mehr Körper zur Verfügung. Ab und zu tauchte ich dort auf, entweder auf Einladung oder beim Open Mic. Die Texte und Themen bei SUAS wurden indes immer brisanter. Auch ich nutzte fasziniert die Möglichkeit, krasse Dinge in Worte – und Gesten – zu verpacken.

Dennoch bin ich auch hier irgendwann an Grenzen gestoßen. Neben mutigen Menschen mit mutigen Ansichten gibt es eben auch das Genre der weiblichen Befindlichkeitsliteratur. Auch hier lüftete ich also mein Haar.

Phase 4: Jetzt singt sie auch noch

Foto: Rainer Schadow

Foto: Rainer Schadow

Allerdings. Zwei Freunde und ich sind seit November 2009: Die Drei Zwanziger. Wir teilen die Leidenschaft fürs Singen. Berliner Lieder der Goldenen Zwanziger gehören zu unserem Repertoire genauso wie Divenhaftes von Dietrich, Leander & Co. Gerne erinnern wir auch an deutsches Kulturgut und pusten den Staub von sozialistischen Liedern. Mit Lungen und -flügel und Herz und Verstand singen wir bei Vernissagen, festlichen Anlässen oder bestreiten ganze Abende im Sonntags-Club. Der nächste Auftritt kommt. Und die erste CD kommt auch bald raus.

Phase 5: Wenn ich mal groß bin, werde ich Performanze

Workshops beim Performance Lab Berlin und die Beschäftigung mit Fluxus haben meine Neugier für Performance als Ausdrucksmittel enorm entfacht. Bei der von Elisabeth R. Hager gegründeten, experimentellen Bühne “Avantgarden of Eden!” bekam ich im Juli 2010 das erste Mal die Gelegenheit, eine reine Performance zu zeigen. Das hat so viel Spaß gemacht und nicht nur mir, dass ich im Oktober 2010 meine zweite Performance dort habe zeigen können. Im März 2011 folgte die dritte und bisher aufwendigste Performance, der wochenlanges Proben vorausging. Seitdem geht es unaufhörlich weiter… to be continued, wie man so schön sagt.

Das mit den Knöpfen klappt schon mal ganz gut...

Äh – und sonst so?

Ansonsten bin ich zur Schule gegangen, habe das Abitur gemacht, ein Studium begonnen und abgebrochen, ein FSJ Kultur gemacht und habe angefangen, Philosophie zu studieren. Der Fokus auf dieser Seite hier galt offenkundig meinem künstlerischen Werdegang. Aber was macht einen Menschen denn eigentlich aus?

Ich trinke unheimlich gerne Kaffee. Ich wohne in Weißensee. Ich liebe Frauen und Männer. Ich mag die Farbe Rot. Ich gucke jeden Tag mindestens einmal nach Mails. Ich hatte schon mal Läuse. Eins der besten Bücher, die ich gelesen habe: Für Isabel war es Liebe. Einer der besten Filme, die ich gesehen habe: ‘König der Löwen’ und ‘Into The Wild’. Frustrierte Linke gehen mir auf die Nerven. Ich engagiere mich ehrenamtlich bei einem E-Mail-Beratungsprojekt. Ich wurde mit Gaumenspalte geboren. Seitdem ich Joseph Beuys kenne, mag ich Filz. Ich glaube an die Liebe. Ich kniffel gerne.

Fragen? schreib[at]christinaschneider.de

Oder komm vorbei und erzähl mir etwas von  d i r .

5 Gedanken zu “Vision | Vita

  1. Christina, das ist ja großartig, gefällt mir…Einfach unglaublich gut.
    Herz-Allerliebste Grüße aus dem schönen Wien und wir trinken demnächst deinen Glückwunschtee auf dein Wohl….Nali Kukelka

  2. Mir fehlen, sozusagen, die Worte. Du sprühst ja sozusagen auch eifrig genug mit selbigen umher! Wie auch mit protziger Eigenwerbung – aber da das Internet ja sozusagen zur Selbstdarstellung erfunden wurde, murmele ich “Okehhh” und freue mich ansonsten bei der Lektüre deines Blogs still vor mich hin, während andere ihre Dielen gerade nicht mehr laut abschleifen.
    Erziehung finde ich übrigens ein komisches Wort und ein komisches Konzept, aber Lernen finde ich super. Das Wort Kraftvergeudung im Zusammenhang mit Ernährung werde ich meinem Alltagswortschatz hinzufügen (geht ganz einfach mit Copy & Paste).
    Das alles wollte ich mal so sagen, sozusagen: grüßen. Und für gut Lesbares danken. Also auf bald!

  3. wow.
    i’m impressed :)
    tolle seite, wusste gar nicht, dass du www-mäßig so begabt bist.
    bin ja schon gespannt auf dein katzengedicht ;) .

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